Smart Contracts Blockchain [Definition & 5 gute Tipps]

Smart Contracts Blockchain – Definition, Anwendungen, rechtliche Fragen

Was hat Blockchain mit Smart Contracts zu tun ?

Bitcoin war erst der Anfang. Die von Satoshi Nakamoto entwickelte Kryptowährung beruht auf der Blockchain, für manche die tatsächliche technische Errungenschaft hinter den Kryptowährungen. Dann folgte mit Ethereum die Blockchain 2.0 und mit dieser neuen Plattform die Smart Contracts. Die „intelligenten Verträge“ sind eine weitere Errungenschaft, welche uns die Kryptowährungen brachte. Doch was ist das Besondere an der Smart Contracts Blockchain, wie funktioniert sie und wie wird sie eingesetzt?

Smart Contracts Blockchain – Definition

Eine Smart Contracts Blockchain ist schlicht eine Blockchain, welche den Einsatz von Smart Contracts ermöglicht. Oftmals meint man damit Ethereum, welche die intelligenten Verträge erst eingeführt hatte, und anderen Plattformen wie NEO, Cardano, EOS oder auch Ripple in Verbindung mit Codius. Das sind Blockchain-Plattformen, welche es möglich machen, einen smarten Contract zu programmieren und über die Plattform laufen zu lassen.

Der Begriff wurde 1993 von Nick Szabo geprägt (von dem einige ausgehen, dass es sich bei ihm um Satoshi Nakamoto, dem Erfinder der Bitcoin, handelt). Ethereum war die erste Plattform, welche die intelligenten Verträge einführte. Das Projekt wurde 2013 das erste Mal von Vitalik Buterin in einem Whitepaper beschrieben.

Das Ziel: Auf Ethereum sollten sich dezentrale Applikationen entwickeln lassen, jeder sollte eigene Kryptowährungen, auch als Tokens bezeichnet, erstellen können und man sollte in der Lage sein, mithilfe von Ethereum und einer eigenen Programmiersprache die intelligenten Smart Contracts programmieren zu können. Dadurch sollte ein eigenes Ökosystem entstehen.

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Im Gegensatz zu Bitcoin ging es nicht allein darum, einen Coin zu versenden. Stattdessen sollen Nutzer mit der Ethereum-Blockchain Handel treiben können, sie als Datenbank verwenden, Vermögenswerte tokenisieren und handeln etc. Unter anderem dafür wurden die Smart-Contracts eingeführt. Es handelt sich um elektronische Verträge, die kaum auf das menschliche Zutun angewiesen sind. Sie automatisieren Abläufe, agieren selbstständig und genauso, wie sie programmiert wurden.

Die Blockchain bildet die Grundlage für die Contracts. Sie werden auf dem Netzwerk gespeichert. Über dieses Netzwerk interagieren auch die Nutzer mit dem Contract, in den meisten Fällen jedoch mit dem Frontend, der Benutzerfreundlichkeit willen.

Die Token auf diesen Plattformen erfüllen einen anderen Zweck als etwa der Coin von Bitcoin. Daher auch die andere Bezeichnung. Welchen Zweck sie erfüllen, kann ganz von der individuellen Blockchain abhängen. Mit Ethereum lassen sich unterschiedliche Token programmieren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Sie können auch als Blockchain-Gebühren anfallen, wenn Transaktionen auf dem Netzwerk durchgeführt werden.

Abgesehen davon können sie je nach Zweck als internes Zahlungsmittel verwendet werden, Assets tokenisieren, Stimmrechte geben etc. Primär geht es bei ihnen nicht darum, als ein digitales Zahlungsmittel außerhalb der eigenen Plattform eingesetzt zu werden.

Ein Smart Contract zeichnet sich vielmehr durch die Services aus, die auf ihm angeboten werden. Die Nutzer können mittels Smart Contracts selber eigene Dienste programmieren und einsetzen. Das auf der Basis von Ethereum, EOS etc.

Einige Anwendungsbeispiele zu Smart Contracts

Ein Smart Contract lässt sich auf vielfältige Weise einsetzen. Ein möglicher Einsatz wäre im Bereich der Versicherungen. Stellen wir uns vor, ein Kunde schließt eine Autoversicherung über die intelligenten, digitalen Verträge ab. Die Vertragsinhalte werden fälschungssicher auf der Blockkette gespeichert. Sollte etwas mit dem Wagen geschehen, dann sendet die Werkstatt den Schaden an die Blockchain-Datenbank. Der Vertrag entscheidet von selbst gemäß der ihm zugesandten Informationen und der Vertragsinhalte, welche Schritte eingeleitet werden.

Ein solches System wird bereits mit „Fizzy“ geprobt. Fizzy ist ein Versicherungsprodukt des Finanz-Giganten AXA. Mittels Fizzy erhalten Versicherte eine Entschädigung, wenn sich ihr Flug verspäten sollte. Dank der automatischen Programmierung ist es nicht nötig, dass der Versicherte oder irgendein Mitarbeiter der Fluggesellschaften die Verspätung meldet. Die Flugdaten werden von Dritten übermittelt. Gibt es eine Verspätung, dann erfolgt die Auszahlung ganz automatisch, ohne dass ein AXA-Mitarbeiter das bestätigen muss. Fizzy läuft über das Ethereum-Netzwerk.

Nicht nur in der Versicherung gibt es sinnvolle Anwendungsbereiche für die digitalen Vereinbarungen. Auch hinsichtlich der Blockchain-Supply-Chain versprechen sich Experten in der Wirtschaft viel. Die dezentrale Datenbank wird bereits in der Logistik erprobt, etwa von IBM und Maersk, der größten Containerschiffs-Reederei der Welt.

Der Einsatz in der Logistik hat auch etwas mit dem Internet der Dinge oder der Industrie 4.0 zu tun. Hier agieren Maschinen und Rechner autonom. Die smarten Verträge können dabei helfen, die Informationen über die Waren bei den einzelnen Stationen der Lieferkette genau aufzuzeichnen. Häufig besteht die Lieferkette aus mehreren Parteien, vom Produzenten zum Lieferanten bis zum Händler und schließlich dem Konsumenten. Verträge sind nötig, um das Vertrauen zwischen diesen Parteien herzustellen. Die automatisierten Abläufe beschleunigen auch die Lieferkette.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten für die Smart Contracts Blockchain. Der Online-Handel lässt sich damit leichter automatisieren. Im Gesundheitswesen lassen sich ähnliche Anwendungen denken wie bei den Versicherungen. Immobilien- und Mietverträge können von dem Prinzip „Code-is-law“ profitieren.

Dieses Prinzip kann auch innerhalb des Finanzwesens für das nötige Vertrauen sorgen. Regierungen, Vereine und Organisationen können mithilfe der digitalen Verträge Wahlen abhalten. Durch die fälschungssichere Datenbank wird genau aufgezeichnet, wer sich an den Wahlen beteiligt hat. Und die Bürger und Mitglieder können sich über die Transparenz und Verlässlichkeit des Ablaufes freuen.

Wo werden die intelligenten Verträge angewendet ?

Die Technologie hinter der Smart Contracts Blockchain

Smart Contracts basieren auf einfachen Wenn-Dann-Regeln. Sie werden wie normale Software programmiert, wobei die Programmiersprachen variieren können. Bei Ethereum wäre die Programmiersprache zum Beispiel Solidity, eine eigens dafür entwickelte Sprache. Generell enthalten sie dieselben Informationen wie herkömmliche Verträge. Jedoch werden die Vertragsinhalte im Programmcode festgehalten. „Code-is-law“ ist entscheidend für die Funktionsweise.

Der intelligente Vertrag wird nur so agieren, wie er programmiert wurde. Es werden Bedingungen festgelegt. Tritt eine solche Bedingung ein, dann hat das die im Code festgelegten Konsequenzen zur Folge. Ganz automatisch, kein Mensch muss erst das Okay dafür geben. Jedoch sind die Verträge zumeist auf die Dritte angewiesen, welche die Informationen liefern.

Aufgrund der Dezentralität der Blockchain sind die Daten innerhalb des Codes für jede teilnehmende Partei ersichtlich. Jeder kann diese Infos einsehen, wenn er die Berechtigung dazu hat. Daher eignet sich dieses Netzwerk auf so gut für die Logistik. Die teilnehmenden Parteien erhalten gemeinsam Zugriff auf die sich global verteilende Datenbank, können innerhalb von Sekunden die Daten aufzeichnen, abrufen und nachvollziehen.

Eine gängige Smart Contracts Plattform baut auf einem System aus Nodes auf, wie bei Ethereum. Diese Nodes sind wichtige Knotenpunkte innerhalb des Netzwerkes. Sie laden die gesamte Datenbank der Blockchain herunter und synchronisieren sich untereinander, um sich auf eine Version zu einigen.

Das Mining kann ebenfalls eine Rolle spielen. Beim Mining werden neue Blöcke der Chain geschaffen und Transaktionen verifiziert. Manche kommen jedoch auch ohne handelsübliche Proof-of-Work-Mining aus, wie zum Beispiel EOS. EOS verwendet den Delegated Proof-of-Stake. Bei Cardano soll ein besonderes Proof-of-Stake-Protokoll namens Ouroboros zum Einsatz kommen. Auch Vitalik Buterins Ethereum will bald auf Proof-of-Stake umschalten. Proof-of-Stake hat den Vorteil, nicht so viel Strom zu verbrauchen wie der Proof-of-Work von Bitcoin.

Die “Verträge” können in unterschiedlichen Programmiersprachen geschrieben sein. Ethereum verwendet die bereits genannte Programmiersprache Solidity, dessen Syntax sehr an JavaScript erinnert. EOS verwendet als Programmiersprache C++ und Cardano Plutus. Plutus basiert auf der Programmiersprache Haskell. In Zukunft will Cardano auch andere Programmiersprachen erlauben. Java ist allgemein eine recht beliebte Programmiersprache im Bereich der Kryptowährungen.

Vor- und Nachteile

Eine Smart Contracts Blockchain ist den üblichen Vertragsformen in einigen Punkten voraus. Das liegt unter anderem an dem Prinzip Code-is-Law. Dadurch sind die Verträge äußerst verlässlich.

An den Wenn-Dann-Bestimmungen gibt es nichts zu interpretieren. Der Vertrag wird sich genauso verhalten, wie er programmiert wurde und es gibt kaum Interpretationsschwierigkeiten, was die Vertragsbedingungen anbelangt. Die aus den Bedingungen folgenden Konsequenzen werden präzise umgesetzt. Menschliche Fehler bei der Interpretation des Vertragsinhaltes sind geradezu ausgeschlossen.

  • Die Abhängigkeit von Vermittler und Drittparteien sinkt. Das betrifft vor allem Notare oder Anwälte. Die Vereinbarung wird direkt zwischen den Vertragsparteien geschlossen.
  • Da die Vertragsinhalte genauso durchgeführt werden, wie es der Programmcode bestimmt, braucht es keine Drittparteien, welche den Vorgang überwachen. Dadurch verringert sich auch das Risiko von Fehlinterpretationen und Manipulationen.
  • Die digitalen Verträge sind „trustless“, ohne Vertrauen. Das bedeutet in diesem Fall nicht, dass sie unglaubwürdig oder nicht vertrauenswürdig sind. Es bedeutet, dass die Parteien sich gegenseitig kein Vertrauen schenken müssen.
  • Vertrauen ist nur dort nötig, wo es Unsicherheiten gibt. Bei den digitalen Verträgen gibt es keine Unsicherheiten, sie agieren immer gleich und gemäß ihres Codes. Daher ist es nicht nötig, dass die Vertragsparteien sich vertrauen.

Dann wäre da noch die Sicherheit. Die Contracts werden auf der Blockchain gespeichert und dort kryptografisch verschlüsselt. Dadurch ist es extrem schwierig, an dem Code irgendwelche Änderungen vorzunehmen und den Vertrag zu manipulieren. Außerdem kann er nicht verloren gehen. Sollte eine der Parteien dennoch versuchen, den Code zu verändern, dann fällt das auf und kann unterbunden werden.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Effizienz. Smart Contracts sind wesentlich leichter zu programmieren, als all die bürokratischen Wege zu gehen, die für normale Verträge notwendig sind. Dadurch sparen Unternehmen und Behörden Zeit und Kosten.

Es gibt auch ein paar Nachteile. Ein digitaler Vertrag wird noch immer von einem Menschen programmiert und deshalb kann auch der Code fehlerhaft sein. Da der Code fälschungssicher auf der verteilten Datenbank abgespeichert wird, ist es sehr schwierig, den Fehler im Nachhinein zu beheben. Und je komplexer der Programmcode ist, desto wahrscheinlicher werden Fehler.

Wie folgenschwer so ein Fehler sein kann, zeigt der Hack des DAO im Juni 2016. Dieser Hack führte zur Fork der Ethereum-Blockchain, wodurch Ethereum Classic entstand. Bei dem Hack, bei dem ein Hintertürchen im Vertragscode ausgenutzt wurde, wurden Ether im Wert von 50 Millionen Euro gestohlen.

Banking mit der Smart Contracts Blockchain

Die Smart Contracts könnten im Bereich des Bankings noch eine wichtige Rolle spielen. Die genannten Vorteile sind nützlich für den Zahlungsverkehr. Die Verträge können dazu genutzt werden, die Zahlungsvorgänge zu beschleunigen und transparenter zu gestalten.

Die Verträge können die zeitaufwendigen und komplizierten Verfahren für neue Kunden vereinfachen, zum Beispiel in Hinblick auf die KYC-Regelungen (Know-your-customer). Sie können auch das Problem des Vertrauens lösen.

Es gibt Fälle, in denen zwei Parteien Interesse daran haben, miteinander zu handeln. Jedoch können sie nicht sicher davon ausgehen, dass die andere Partei auch wirklich die Bestimmungen einhalten. Es fehlt an Vertrauen.

  • Kommt es zu Unstimmigkeiten, beginnt der Disput um die genauen Vertragsdetails, der sich lange hinziehen kann. Die Digitalverträge können hier helfen. Sie lassen kaum Interpretationsspielraum und agieren autonom, ohne Voreingenommenheit und ohne Partei zu ergreifen.

Die Banken dürften auch an Zahlungen Peer-to-Peer interessiert sein, direkt von einem Nutzer zum anderen. Beim Zahlungsverkehr sind Banken hin und wieder auf dritte Parteien angewiesen.

  • Allgemein kann die Blockchain die Zahlungen zwischen verschiedenen Parteien beschleunigen und günstiger machen. Ripple arbeitet bereits daran, ein Netzwerk zu schaffen, mit dem sich auch über Ländergrenzen hinweg schnell Gelder jeder Art austauschen und umwandeln lassen.
  • Vor allem die internationalen Transaktionen profitieren von Peer-to-Peer-Transfers, bei dem die Ripple Kryptowährung als eine Art Schuldschein eingesetzt wird.

Die Digitalverträge können dabei helfen, Zahlungen zwischen verschiedenen Parteien zu regeln. Außerdem bietet die dezentrale Datenbank die Technologie, um Daten wie Kundendaten sicher und schnell aufzubewahren.

Sind die digitalen Verträge legal oder illegal ?

Rechtslage – Ist es legal?

An sich ist ein Smart Contract nicht illegal. Es sind Verträge wie alle anderen auch, nur in digitaler Form. Sie sind genauso rechtlich bindend, wenn sich Parteien dazu entschließen, ihnen zuzustimmen. Allerdings sind sie juristisch betrachtet keine Verträge. Stattdessen führen Smart Contracts nur aus, was der Vertragsinhalt ist. Kommt es zu einer Transaktion, dann könnte das zu einem Vertragsschluss führen.

Es gilt ein paar rechtliche Fragen zu klären, welche durch die neue Technologie aufkommen. Zum Beispiel inwieweit die Programmierer selber haftbar gemacht werden können, wenn die Vertragsbestimmungen selbst das Recht verstoßen.

  • Der normale Programmierer ist kein Rechtsgelehrter, muss sich bei der Entwicklung des Vertrags-Codes möglicherweise mit Themen auseinandersetzen, die nicht zu seiner Expertise gehören. Zu den rechtlichen Fragen gehört auch, ob die allgemeinen Geschäftsbedingungen wirksam sind.

Allgemein stellt sich die Frage, wer für eventuelle Fehler haftet. Grundsätzlich wird sich der intelligente Vertrag immer exakt so verhalten, wie er programmiert wurde. Ob er dabei gegen das Recht verstößt oder nicht, das kann er nicht wissen.

  • Wenn es passiert, dass eine Transaktion ausgeführt wird, die zwar vom Code erlaubt ist, aber gegen ein Recht verstößt, müssen die Beteiligten haften. Beim Thema Geldwäsche könnte das zu Problemen führen. Woher soll der Code wissen, dass das Geld illegal erworben wurde?

Unklarheit aus juristischer Sicht herrscht auch darüber, was bei Programmierfehlern geschieht.

  • Auch bei falscher Programmierung wird das Programm das ausführen, wozu es programmiert wurde. Da auf der Blockchain in der Regel keine Änderungen möglich sind, wird der Code auch bei der falschen Auslegung von Klauseln so fortfahren, wie er programmiert wurde.
  • Auch bei Auslegungsfragen gibt es Schwierigkeiten. Reiner Code ist nicht in der Lage, den Willen einer Partei zu ermitteln. Auslegungsfragen werden noch immer von Menschen behandelt werden müssen.

Trotz dieser rechtlichen Fragen sehen viele Experten eine große Zukunft für die Smart Contracts Blockchain. Aus rechtlicher Sicht ist es noch immer ein großer Vorteil, dass die Parteien die Vertragsbedingungen nicht ständig selber überprüfen müssen. Verträge können auf der Blockchain schnell und mit geringen Kosten abgeschlossen werden. Außerdem werden sie auf der Blockchain sicher abgespeichert und sind hier vor Manipulationen und Fälschungen sicher. Die Vorteile der Smart Contracts überwiegen bei den Risiken.

 

Bildquelle: © kalhh/ Pixabay

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