Blockchain-News: Tokenisierte Schuldscheine, Quantenrisiken und neue Standards

Autor: Blockchain-Hero Redaktion

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Kategorie: News

Zusammenfassung: Die Blockchain-Branche entwickelt sich institutionell und technisch weiter, von tokenisierten Finanzierungen bis zu schnellerer Wertpapierabwicklung, steht aber vor offenen Sicherheits- und Koordinationsfragen.

Von tokenisierten Schuldscheinen und schnelleren Wertpapierabwicklungen bis zu quantensicherem Bitcoin und neuen Blockchain-Anwendungen: Der Pressespiegel zeigt, wie rasant sich die Branche technisch und institutionell weiterentwickelt – und welche Herausforderungen dabei noch ungelöst sind.

Unicredit testet tokenisierten Schuldschein für die Mittelstandsfinanzierung

Die Unicredit hat erstmals einen tokenisierten Schuldschein arrangiert. Als Testfall dient ein Münchner Immobilienunternehmen, wie DerTreasurer berichtet.

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Blockchain-Technologie bei der Mittelstandsfinanzierung über das Proof-of-Concept-Stadium hinaus eingesetzt werden kann. Der Schritt verbindet das klassische Schuldscheinformat mit einer blockchainbasierten Abwicklung und soll Erkenntnisse für mögliche weitere Anwendungen liefern.

Zusammenfassung: Unicredit erprobt einen tokenisierten Schuldschein mit einem Münchner Immobilienunternehmen als Testfall. Offen bleibt, ob sich die Technologie dauerhaft in der Mittelstandsfinanzierung etablieren kann.

Quantencomputer rücken als langfristige Herausforderung für Bitcoin in den Fokus

Forschungsergebnisse haben die geschätzten technischen Hürden für Angriffe auf die Bitcoin-Kryptografie gesenkt. Gleichzeitig arbeiten Entwickler und Standardisierungsbehörden an Verfahren, die Blockchains gegen Quantencomputer absichern sollen, berichtet finanzen.ch.

Google Quantum AI veröffentlichte am 31. März ein Whitepaper zum Ressourcenbedarf für das Brechen elliptischer Kryptografie. Die Untersuchung bezieht sich auf das 256 Bit grosse Problem des diskreten Logarithmus auf elliptischen Kurven, auf dem die Sicherheit der meisten Blockchains und Kryptowährungen beruht.

Google berechnete zwei Quantenschaltkreise: Der erste benötigt weniger als 1'200 logische Qubits und 90 Millionen Toffoli-Gatter, der zweite weniger als 1'450 logische Qubits und 70 Millionen Toffoli-Gatter. Auf einem supraleitenden Quantencomputer mit weniger als 500'000 physischen Qubits könnten die Schaltkreise innerhalb weniger Minuten ausgeführt werden.

Erster Quantenschaltkreisweniger als 1'200 logische Qubits90 Millionen Toffoli-Gatter
Zweiter Quantenschaltkreisweniger als 1'450 logische Qubits70 Millionen Toffoli-Gatter
Erforderliche Hardwareweniger als 500'000 physische QubitsAusführung innerhalb weniger Minuten

Die Schaltkreise selbst hat Google nicht veröffentlicht. Eine Überprüfung der Schätzungen soll stattdessen über einen Zero-Knowledge-Beweis möglich sein, ohne Angriffsdetails preiszugeben. Google plant die eigene Umstellung auf quantensichere Verfahren bis 2029.

Nach Angaben des Fachportals The Quantum Insider steht die Google-Arbeit in einer Reihe von drei Studien, die den geschätzten Ressourcenbedarf reduziert haben. Im Mai 2025 hatte Google-Forscher Craig Gidney die Zahl der für das Knacken von RSA-2048 nötigen physischen Qubits von rund 20 Millionen auf unter eine Million gesenkt. Im Februar 2026 kam das Startup Iceberg Quantum mit einer neuen Architektur auf weniger als 100'000 Qubits für dieselbe Aufgabe.

Für die elliptische Kryptografie, auf der Bitcoin aufbaut, soll die verbleibende Rechenarbeit nach Bekanntwerden eines öffentlichen Schlüssels etwa neun Minuten dauern. Bei einer durchschnittlichen Bitcoin-Blockzeit von zehn Minuten bezifferte Google unter idealisierten Bedingungen die Wahrscheinlichkeit, dass ein vorbereiteter Quantencomputer einen privaten Schlüssel vor der Bestätigung einer Transaktion ableitet, auf rund 41 Prozent.

Das Bitcoin Policy Institute verweist zudem auf eine Studie von Forschern von Caltech, Oratomic und der University of California in Berkeley. Danach könnte ein Angriff mit 10'000 bis 26'000 spezialisierten Qubits theoretisch möglich sein. Die leistungsfähigsten heutigen Quantencomputer verfügen laut dem Bericht nur über wenige tausend Qubits; Googles Chip Willow verfügt über 105.

Als führender Vorsorgevorschlag gilt das Bitcoin Improvement Proposal 360. BIP-360 sieht einen neuen Adresstyp vor, bei dem der kryptografische Schlüssel auch beim Ausgeben von Guthaben nicht sichtbar wird. Ein Testnetz startete im März mit mehr als 50 Minern, über 100'000 verarbeiteten Blöcken und Beiträgen von mehr als 100 Kryptografen.

Die US-Standardisierungsbehörde NIST veröffentlichte im August 2024 drei Standards für quantensichere Verfahren: FIPS 203 (ML-KEM) zur Schlüsseleinrichtung sowie FIPS 204 (ML-DSA) und FIPS 205 (SLH-DSA) für digitale Signaturen. Nach dem Übergangsplan NIST IR 8547 sollen quantenanfällige Algorithmen bis 2035 aus den Standards der Behörde entfernt werden; bei Systemen mit hohem Risiko soll dies früher erfolgen.

Eine von StarkWare gemeldete quantensichere Bitcoin-Transaktion wurde im August im Hauptnetz bestätigt. Ihre Erstellung erforderte rund 3'100 GPU-Stunden und kostete etwa 320 US-Dollar. Nach einer Woche eines offenen Wettbewerbs lag die Schätzung bei rund 67 US-Dollar, einem Rückgang um fast 80 Prozent.

Experten warnten gegenüber BeInCrypto zugleich vor möglichen Vertrauensverlusten und kurzen Reaktionszeiträumen. Stefano Gogioso nannte bereits eine Wahrscheinlichkeit von zwei Prozent für ein unerwartetes Ereignis bis 2030 relevant, während Daniela Herrmann berichtete, dass Prognosen für nutzbare Quantencomputer von 30 Jahren im Jahr 2024 auf drei bis zehn Jahre im Jahr 2026 gesunken seien.

Zusammenfassung: Neue Studien reduzieren die geschätzten Hardwareanforderungen für Angriffe auf kryptografische Verfahren, ohne dass Bitcoin akut gefährdet ist. BIP-360, NIST-Standards und quantensichere Transaktionen zeigen, dass Schutzmassnahmen entwickelt werden; die Umsetzung in einem dezentralen Netzwerk bleibt jedoch eine offene Koordinationsfrage.

Solana führt Standard für die Abwicklung tokenisierter Wertpapiere ein

Die Solana Foundation hat mit Solana DvP ein Open-Source-System vorgestellt, das Finanzinstituten einen einheitlichen Standard für die Abwicklung tokenisierter Wertpapiere bieten soll. Bei der Entwicklung floss die Erfahrung von J.P. Morgan mit institutionellen Settlement-Prozessen ein, berichtet BTC-ECHO.

„Delivery versus Payment“ beschreibt das Prinzip, nach dem ein Vermögenswert nur dann übertragen wird, wenn gleichzeitig die dazugehörige Zahlung erfolgt. Damit soll verhindert werden, dass eine Partei Geld überweist, ohne im Gegenzug die Wertpapiere zu erhalten.

„Delivery versus Payment“ beschreibt eines der Grundprinzipien klassischer Wertpapiermärkte.

Bei Solana DvP sollen Wertpapier und Zahlung innerhalb derselben Transaktion den Besitzer wechseln. Das System nutzt isolierte Escrow-Strukturen und feste Fristen; die finale Abwicklung soll innerhalb von Sekunden erfolgen. Traditionelle Verfahren dauern laut BTC-ECHO häufig ein bis zwei Tage.

Bereits im Dezember 2025 hatte J.P. Morgan eine 50 Millionen US-Dollar schwere Commercial-Paper-Emission von Galaxy Digital auf Solana arrangiert. Auch dabei kam das Delivery-versus-Payment-Verfahren zum Einsatz. Solana DvP soll aus solchen individuell entwickelten Lösungen nun einen wiederverwendbaren Standard machen.

Die Einführung fällt in eine Phase schnellen Wachstums des Marktes für tokenisierte Vermögenswerte auf Solana. Ende Februar lag deren Wert bei 1,7 Milliarden US-Dollar, zwei Monate später bei mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar und im August erstmals bei über 4 Milliarden US-Dollar.

Ende Februar1,7 Milliarden US-Dollar
Zwei Monate spätermehr als 2,5 Milliarden US-Dollar
Augustüber 4 Milliarden US-Dollar

Zusammenfassung: Solana DvP soll die gleichzeitige Übertragung von Zahlung und tokenisiertem Wertpapier standardisieren. Der Ansatz zielt auf eine Abwicklung innerhalb von Sekunden und entsteht in einem wachsenden Solana-Markt für tokenisierte Vermögenswerte.

Clearpool plant Migration vom Ethereum-Netzwerk auf den XRP Ledger

Das Kreditprotokoll Clearpool bereitet seine Expansion auf den XRP Ledger vor. Eine Abstimmung der Protokoll-Governance endete mit 97,16 Prozent Zustimmung für den Schritt, wie die Börse Express berichtet.

Im Zuge der Migration soll das bisher auf Ethereum basierende Token CPOOL im Verhältnis von 1:1 in ein neues CLEAR-Token auf dem XRP Ledger überführt werden. Die Migration ist für das vierte Quartal 2026 geplant und derzeit noch nicht aktiv.

Parallel baut Ripple die institutionelle Infrastruktur rund um den XRP Ledger aus. Die Verwahrsoftware Ripple Custody wurde in der Version 1.43 um Funktionen für Multi-Purpose Tokens erweitert. Administratoren können Token erstellen, vernichten und übertragen sowie Halter autorisieren und Kontrollen zum Einfrieren von Vermögenswerten verwalten.

In Brasilien nutzt die Marktinfrastruktur CSD BR den XRP Ledger in einer ersten Phase als zusätzliche Abwicklungs- und Prüfebene für Finanzanlagen. Den Auftakt bilden Anteile an Investmentfonds der Bank BTG Pactual, die als Multi-Purpose Tokens auf der Blockchain abgebildet werden. Die offiziellen Systeme für Registrierung, Verwahrung und Abrechnung verbleiben weiterhin vollständig bei CSD BR.

Der XRP-Token notiert laut Quelle bei 1,50 USD und liegt damit 5,1 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1,43 USD. Seit Jahresanfang verzeichnet XRP ein Minus von 18 Prozent.

Aktueller XRP-Kurs1,50 USD
50-Tage-Durchschnitt1,43 USD
Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt5,1 Prozent
Entwicklung seit Jahresanfangminus 18 Prozent

Die Aktivierung des Regelwerks PermissionDelegationV1_1, das die Übertragung bestimmter Kontobefugnisse ohne Weitergabe privater Signaturschlüssel ermöglichen soll, hatte sich zuletzt verzögert und peilt nun den 8. Oktober an.

Zusammenfassung: Clearpool will CPOOL im vierten Quartal 2026 im Verhältnis von 1:1 in CLEAR auf dem XRP Ledger überführen. Gleichzeitig entstehen rund um den XRP Ledger weitere Anwendungen für Verwahrung, Fondsanteile und institutionelle Abwicklung.

Cardano: Libertum testet CIP-113 im Mainnet

Die Kryptowährung Cardano verzeichnete am Mittwoch einen Rücksetzer. Der Kurs sank im Tagesverlauf um 3,5 Prozent auf 0,2614 US-Dollar, während für die vergangenen 30 Tage weiterhin ein Plus von 19 Prozent zu Buche steht, berichtet die Börse Express.

Tagesentwicklungminus 3,5 Prozent
Kurs0,2614 US-Dollar
Entwicklung der vergangenen 30 Tageplus 19 Prozent

Ein konkreter Einzelauslöser für den Tagesrückgang wurde nicht genannt. Marktberichten zufolge folgten auf vorangegangene Kursgewinne verstärkter Verkaufsdruck und Positionsbereinigungen.

Technisch arbeitet Input Output am Werkzeugsatz Plutus Core. Die Version 1.2.0 soll künftig kleinere und kostengünstigere Skripte für Sicherheitsregeln ermöglichen. Die Arbeiten zielen auf eine effizientere Ausführung von Smart Contracts, stellen aber noch kein Upgrade des Hauptnetzwerks dar.

Cardano wurde nach Angaben der Cardano Foundation in das offizielle SDK für x402 integriert. Die Schnittstelle soll Softwareanwendungen und autonomen KI-Agenten ermöglichen, Zahlungen direkt in ADA oder netzwerkeigenen Token abzuwickeln. Zusätzlich trat die Stiftung dem Crypto Partner Program von Mastercard bei.

Im Mittelpunkt der Protokollentwicklung steht der Standardvorschlag CIP-113. Er beschreibt programmierbare Token, bei denen Emittenten Transferbedingungen wie Haltefristen oder Freigabelisten direkt festlegen können. Die Umsetzung soll ohne grundlegende Hard Fork der Blockchain möglich sein.

Die Plattform Libertum testete CIP-113 am Montag erstmals im Hauptnetzwerk für die Emission von Real-World-Assets. Der offizielle Status des Standards wird im Vorschlagsverzeichnis weiterhin als vorgeschlagen geführt.

Am Montag wurden laut Medienberichten 413 ADA-Transaktionen mit einem Volumen von mindestens 100.000 US-Dollar registriert. Dies war die höchste Anzahl solcher Gross­transaktionen an einem einzelnen Tag seit Anfang Juni. Gleichzeitig bauten Händler an den Derivatemärkten ihre offenen Kontraktpositionen aus.

Weitere Initiativen betreffen Partnerschaften und Bildung. Die Cardano Foundation ernannte Pacific Meta zum Integrationspartner für den japanischen Markt. Eine mehrjährige Kooperation mit der US-Universität UCLA Anderson beginnt am 19. Oktober; ab dem Jahr 2027 sollen Inhalte der Cardano Academy in das dortige Blockchain-Lehrprogramm einfliessen.

Zusammenfassung: Cardano verbindet eine kurzfristige Kurskorrektur mit Fortschritten bei Entwicklerwerkzeugen, KI-Zahlungen und programmierbaren Token. Libertum testete CIP-113 im Mainnet, der Standard befindet sich jedoch weiterhin im vorgeschlagenen Status.

Quellenübersicht

Einschätzung der Redaktion

Die Entwicklung ist strategisch relevant, weil sie Blockchain-Anwendungen zunehmend aus isolierten Pilotprojekten in regulierte Finanzprozesse überführt. Entscheidend wird nicht die technische Machbarkeit, sondern ob standardisierte Abläufe, Rechtssicherheit, Liquidität und institutionelle Akzeptanz dauerhaft erreicht werden.

Infobox: Der wichtigste Prüfstein ist der Übergang von Einzeltests zu interoperabler, skalierbarer und regulatorisch belastbarer Infrastruktur.

Quellen: